Mehr als 20 Millionen Deutsche nutzen täglich YouTube – die größte Videoplattform der Welt. Und längst nicht mehr nur, um das neueste Lady Gaga-Video zu sehen oder irgendein Handyfilmchen in dem eine Katze friedlich mit einem Pit Bull Terrier schmust. Auf YouTube hat sich inzwischen ein riesiger Berg an Wissen angesammelt. In Tutorials erfahren Nutzer, wie sie an einem Golf 3 die Kupplung wechseln, Unternehmen zeigen, was man mit ihren Produkten alles anstellen kann und Dienstleister geben wichtiges Expertenwissen weiter. Egal ob Startup oder Mittelständler: Dort nicht dabei zu sein, wird sich früher oder später rächen. Also rein in die Video- und Audioproduktion zur Kundenbindung.

 

Videoblogging? Audiopodcast? YouTuber? Hä?

Die Begriffsklärung ist nicht ganz einfach, weil sich im Laufe der Zeit sowohl die Produktionsbedingungen als auch die Verbreitungskanäle sowie die Möglichkeit diese Beiträge zu abonnieren ständig weiterentwickelt haben. Aber wir versuchen ein wenig Licht in die Sache zu bringen. Und ehrlich gesagt: Es ist auch relativ egal, welchen Namen das Kind nun trägt, dass du in die Welt bringen sollst. Ein Podcast ist nichts anderes als eine Mediendatei, in der Regel ein Audio oder ein Video, das von dir produziert wird und von Interessenten an verschiedenen Stellen abgerufen oder abonniert werden kann. Um deine Beiträge auf Plattformen wie iTunes, Spotify oder Deezer auffindbar zu machen, musst du sie über einen Hosting-Anbieter verfügbar machen. Der beliebteste deutschsprachige Anbieter ist podcaster.de. Hier lädst du deine Beiträge hoch und kannst sie dann unters Volk bringen. Bei YouTube oder Soundcloud benötigst du diesen Zwischenschritt nicht und kannst deine Mediendateien direkt hochladen. Und ob du das dann „Podcast“ nennst, „Vlog“ (für Video-Blog) oder „YouTube-Channel“ ist Nebensache. Wichtig ist „auf dem Platz“, also, was du inhaltlich damit machst.

 

Zuerst die Strategie

Wie auch schon in unseren älteren Blogbeiträgen erwähnt, musst du dir als allererstes drei Fragen beantworten: Was willst du erreichen? Wie willst du das erreichen? Und: Wen willst du erreichen? Versuche diese Antworten so präzise wie möglich zu formulieren. Das hilft dir später bei der Ergebniskontrolle. Also keine Antworten wie: „Irgendwie mehr Kunden gewinnen“, „irgendwie auf YouTube präsent sein“ und „irgendwie für jeden, den es interessiert“. Sondern: „Innerhalb eines Jahres XXX Abonnenten“, „Unternehmensdarstellung als ausgewiesene Experten fürs Thema XYZ“ und „Interessenten mit Hochschulabschluss, zwischen 28 und 39 Jahre alt und aus dem norddeutschen Raum“. Und nach diesen Antworten richtest du dein Angebot aus. Und zwar sklavisch. Aus der Reihe tanzen kannst du später, wenn sich dein Kanal etabliert hat. An Anfang gilt es, deiner Linie treu zu bleiben.

 

Video oder Audio oder beides?

Auch wenn du jetzt denken magst, dass ein Video natürlich immer besser ist, als eine langweilige Gesprächsaufzeichnung – beide Formate haben ihre Berechtigung und jeweils spezifische Vor- und Nachteile. Ja, ein Video hat mehr Action und ist bei Produktvorstellungen und Tutorials sicherlich die bessere Wahl. Schließlich muss man viele Sachverhalte optisch vorstellen, damit sie dem Zuschauer deutlich werden. Den Einbau einer Kupplung an einem Golf 3 kann man ohne bewegte Bilder erklären, aber es versteht dann halt nicht jeder. Vielleicht KFZ-Mechatroniker, aber genau diese Zielgruppe guckt keine YouTube-Tutorials.

Insbesondere, wenn du tiefer in ein Thema eintauchen möchtest oder längere Expertengespräche führen willst, kann ein Audio-Podcast die bessere Alternative sein. Im Gegensatz zu Videos, sind deine Nutzer hierbei viel freier, wann und wo sie deinen Podcast konsumieren. Ein Video benötigt volle Aufmerksamkeit, ein Audio-Format kann auch prima während der Autofahrt oder bei der Hausarbeit gehört werden. Nur die wenigsten Nutzer setzen sich drei Stunden vor den Rechner und schauen sich ein YouTube-Video an. Bei Audio-Podcasts sind Längen von 3, 4 oder 5 Stunden keine Seltenheit.

Schau also bereits in deiner Strategieentwicklung, welches Format für deine Zwecke sinnvoller erschein. Aber natürlich kannst du auch auf beiden Hochzeiten tanzen.

 

Der Aufbau

Egal ob Video- oder Audioformat, deine Beiträge sollten einem gewissen Aufbau folgen und einen Wiedererkennungswert haben. Ganz grob kann man Medienbeiträge in vier Elemente aufteilen. Das sind: Einleitung, Hauptteil, Zusammenfassung und ein Call to action (CTA).

 

Die Einleitung

Die Einleitung dient zur Begrüßung der Zuschauer/der Zuhörer und stellt das aktuelle Thema der Folge vor. Ein Vorspann, ein Jingle oder eine Grafik sind der Einleitung vorangestellt. Sie sollten bei jeder Folge gleich sein, damit sich ein Wiedererkennungseffekt einstellt. Auch die Begrüßung kannst du ritualisieren und immer den gleichen Wortlaut benutzen. Also zum Beispiel „Hallo Freunde der Sonne und des Grafikdesigns“. In dem Fall sollte sich dein Kanal dann aber auch um Grafikdesign drehen. Wenn du dann noch Corporate-Design-Elemente deines Unternehmens in den Vorspann einbaust (Logo, Claim, Farbe oder Typo) schlägst du gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe.

 

Der Hauptteil

Der Hauptteil bearbeitet das zuvor vorgestellte Thema. Das kann eine Produktvorstellung sein, ein Tutorial, ein Expertengespräch oder auch mal ein Blick hinter die Kulissen deines Unternehmens. Wichtig ist hierbei immer der Mehrwert für den Zuschauer/Zuhörer. Sei also immer informativ und unterhaltsam. Deine Nutzer investieren Zeit, damit sie deinen Beiträgen folgen. Belohne sie mit qualitativ hochwertigem Content.

 

Die Zusammenfassung

Insbesondere bei längeren Beiträgen bietet sich eine kurze Zusammenfassung am Ende an. Das hilft nicht nur deinen Abonnenten, die noch einmal die wichtigsten Fakten des Beitrags ganz knapp präsentiert bekommen, es hilft auch dir selbst beim Vorbereiten des Beitrags. Denn natürlich stellst du dich nicht einfach vor die Kamera oder das Mikro und legst los. Du musst dir schon eine Gliederung überlegen und ein kurzes Skript vorbereiten. Mit einer Zusammenfassung kannst du super überprüfen, ob das, was du vermitteln möchtest, auch wirklich im Beitrag zu finden ist.

 

Der Call to action (CTA)

Um Rückmeldungen zu bekommen und den Kontakt zwischen dir und deinen Abonnenten zu fördern, ist ein Handlungsaufruf – der Call to action (CTA) – am Ende des Beitrags fast schon Pflicht. Das sollte nicht ein unsubtiles „Und jetzt kauft mein Produkt“ sein. Aber die Bitte um Feedback in den Kommentaren, ein Gefällt-mir-Klick oder das Teilen eigener Erfahrungen zum behandelten Thema sind wunderbare Aufhänger, um mit deinem Publikum in den direkten Kontakt zu treten.

 

Das Handwerkliche und die technische Ausstattung

Für Video- und Audiopodcasts benötigst du natürlich technisches Equipment und ein wenig Know-how, was Videoschnitt, Audiobearbeitung oder Kamerabedienung angeht. Doch die Anschaffungskosten sind überschaubar. Ein paar interessante Kaufberatungen für die Technik zur Produktion von Audiopodcasts und Youtube-Videos findest du übrigens hier und hier. Das Erstellen eines Beitrags ist kein Hexenwerk – immerhin gibt es reihenweise YouTuber im Teenageralter mit Hunderttausenden von Abonnenten. Dann wirst du das bestimmt auch hinbekommen. Und viel wichtiger als HD-Auflösung, perfekte Ausleuchtung und eine Tonaufnahme in Studioqualität ist sowieso der Inhalt deiner Beiträge. Natürlich sollst du keinen Schrott veröffentlichen, aber niemand erwartet oscarreife Schnitte und Special Effects.

Was Schnitt und Bearbeitung des Rohmaterials angeht, wirst du dir Vieles durch learning by doing aneignen. On the fly. Und das Beste ist: Falls du einmal nicht weiter weißt, findest du jede Menge Tutorials zu diesem Thema. Also Tutorials darüber, wie man Tutorials erstellt. Das ist Meta!

Also ab vor Kamera und Mikrofon und raus mit deinem Content! Dein Unternehmen wird es dir danken.