Nach einer dreimonatigen Bieterschlacht endete Mitte Juni die Versteigerung der Frequenzen für das neue Mobilfunknetz der 5. Generation. Insgesamt mussten die vier Netzbetreiber Telekom, Vodafon, Telefónica und der Neuling United Internet (1&1) rund 6,5 Milliarden Euro an die Bundesnetzagentur zahlen. Viel Geld, das jetzt erst einmal für den Ausbau der Netzinfrastruktur fehlen wird. Doch die Investitionen waren alternativlos, denn ein leistungsstarkes 5G-Netz sichert die Wettbewerbsfähigkeit von Industrie und Wirtschaft.

 

5G – ultraschnell und ultrabreit

Bisher klingt es noch wie Zukunftsmusik, aber das neue Netz wird unser Leben – einmal mehr – revolutionieren, denn allein die blanken Zahlen zeigen beeindruckende Werte: Das 5G-Netz wird mit einer Datenrate von bis zu 10.000 Mbit/s auftrumpfen. Das sind 1,25 Gigabyte Daten, die pro Sekunde übers Mobilfunknetz transportiert werden können. Hundertmal mehr wie der aktuelle LTE-Standard. Gleichzeitig wird das 5G-Netz eine tausendfach höhere Kapazität haben, also auch nicht in die Knie gehen, wenn Milliarden weiterer Endgeräte hinzukommen. Und die Kommunikation der einzelnen Geräte läuft bei einer Verzögerungszeit von einer Millisekunde faktisch in Echtzeit ab. Als Bonus obendrauf wird der neue Standard einen deutlich geringeren Stromverbrauch haben.

 

Zielgruppe: Industrie, Maschinen und Autos

Einen zeitnahen Hype im Bereich der Privatanwender wird 5G wahrscheinlich jedoch nicht auslösen können. Insbesondere im ländlichen Bereich ist noch nicht einmal der aktuelle LTE-Standard flächendeckend vorhanden. Und wie groß der Bedarf für solch ein leistungsstarkes Netz bei Otto Normalverbraucher ist, bleibt fraglich. Es fehlen im Privatbereich schlicht die Anwendungen, die solche Datenvolumen benötigen. Noch!

Anders sieht es jedoch in der Industrie aus. Zukünftig werden sehr viel mehr Maschinen miteinander kommunizieren. Produktion, Vertrieb und Logistik werden durch 5G noch enger verknüpft werden. Die zur Verfügung stehenden hohen Datenraten sind dabei gar nicht der wichtigste Faktor, viel entscheidender für die Industrie sind die geringe Latenz und die hohe Zuverlässigkeit des Netzes.

Eine zukünftige Anwendung, die nahezu immer als Einsatz für das 5G-Netz genannt wird, ist das autonome Fahren. Egal, ob selbstfahrende PKW in den Städten oder LKW-Kolonnen die untereinander kommunizieren. All dies wird sich nur mit dem neuen Mobilfunkstandard umsetzen lassen. Experten rechnen deshalb, dass in der ersten Ausbaustufe vor allen Dingen die Ballungsräume sowie stark frequentierte Autobahnen und Zugstrecken mit den zusätzlich benötigten Sendemasten ausgestattet werden. Und hier zeigt sich ein Nachteil von 5G …

 

Sendemasten und Frequenzen

Die kürzlich versteigerten Frequenzen liegen zwischen 2 und 3,6 GHz. Diese können zwar große Datenmengen transportieren, haben aber nur eine geringe Reichweite. Beim 3,6 GHz-Band beträgt sie gerade einmal einen Kilometer. Das 2 GHz-Band erreicht zwar eine Reichweite von 3 bis 4 Kilometern, aber auch das wird für einen flächendeckenden Ausbau nicht reichen. Es müssten Zehntausende, wenn nicht gar Hunderttausende neuer Sendemasten aufgestellt werden. Das würde sich finanziell für die Netzbetreiber nicht rechnen und gleichzeitig zahlreiche lokale Widerstände auslösen. Denn kaum jemand möchte einen Sendemast auf dem eigenen Dach haben. Natürlich haben die Netzbetreiber auch Nutzungsrechte an niedrigeren Frequenzen in der Vergangenheit ersteigert. Solche Sendemasten haben eine Reichweite von bis zu 20 Kilometern. Jedoch werden diese Frequenzbereiche noch vom UMTS- und LTE-Standard genutzt und können nicht beliebig umgewidmet werden. Erst ab dem Jahr 2025 endet beispielsweise die Zuteilung der Bundesnetzagentur für das 800 MHz-Band. Die flächendeckende Verbreitung von 5G wird frühestens zu diesem Zeitpunkt wirklich ins Rollen kommen.

 

Kritik der Betreiber

Nach der Auktion waren sich die vier Netzbetreiber ausgesprochen einig: zu viel Poker, zu teuer und am Ende zu viel ausgegebenes Geld für die Nutzung von Frequenzen. Geld, das nun für den Netzausbau fehlt. Eine Kritik, die es bereits bei der letzten großen Versteigerung im Jahr 2010 gab. Die Folgen für den Endverbraucher lauteten: langsamer Netzausbau, jede Menge Funklöcher und teure Mobilfunktarife. Die Zeche zahlte am Ende der Kunde. Es ist zu befürchten, dass es mit dem 5G-Netz ähnlich laufen wird.

 

Fazit

Mit dem Versteigerungsende ist der Startschuss für das ultraschnelle 5G-Netz gefallen. Die Technologie ist vorhanden und kann nun von den Betreibern genutzt werden. Insbesondere für das Internet of Things und weitere Anwendungen in der Industrie ist das zuverlässige „Echtzeitnetz“ entscheidend, um wettbewerbsfähig zu bleiben. In der ersten Ausbaustufe werden die Netzbetreiber jedoch nur Ballungsräume abdecken können, weil die hochfrequenten Netzbereiche nur geringe Reichweiten haben und entsprechend viele Sendemasten aufgestellt werden müssten. Ein flächendeckender Ausbau ist vor dem Jahr 2025 nicht zu erwarten.