Gute Software ist teuer. Das stimmt, ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn in vielen Fällen gibt es kostengünstige, nicht selten sogar kostenlose Alternativen. Möglich macht dies Open Source – eine Initiative, die den Nutzern quelloffene Software zur Verfügung stellt. Diese kann in der Regel beliebig kopiert, verbreitet und verändert werden. Rohstoff für Programmierer, Hacker und Tüftler. Wahrscheinlich hält sich deshalb hartnäckig das Vorurteil, Open Source sei nicht komfortabel und eigentlich nur etwas für Nerds, die sich mal eben schnell ein Plugin oder ein Programmteil selbst schreiben können. Definitiv nichts für den Standard-Anwender. Doch das Vorurteil ist falsch.

Viele Anwender nutzen bereits Open Source Software, ohne dass ihnen diese Tatsache sehr bewusst ist. Zwei der meistgenutzten freien Anwendungen sind der Internetbrowser Firefox und das Mailprogramm Thunderbird. Beide Programme sind für den Nutzer kostenlos im Netz abrufbar, werden laufend verbessert und bieten inzwischen einen Funktionsumfang und Komfort, der nahezu gleichwertig zu kommerziellen Produkten wie Googles Chrome Browser oder Windows‘ E-Mail- und Kalenderverwaltung Outlook ist. Hinter Firefox und Thunderbird steckt die Mozilla Foundation, eine Non-Profit-Organisation, die die grundsätzliche Richtung der Projekte vorgibt, sich um den Schutz der Marken kümmert, Lobbyarbeit betreibt, aber keine Gewinnerzielungsabsichten verfolgt.

Neben diesen beiden Programmen, gibt es für nahezu jede kommerzielle Anwendung eine mehr oder weniger adäquate Alternative aus dem Open Source-Bereich. In diesem Blogbeitrag (und einigen weiteren Beiträgen) stellen wir dir ein paar ausgewählte Alternativen vor. Heute geht es um das Herz eines jeden Rechners: das Betriebssystem.

Linux statt Windows oder OS X

Wenn es um Betriebssysteme geht, scheinen die Karten klar verteilt: Windows versorgt den Massenmarkt. Apple galt hingegen in früheren Zeiten gern als das Nonplusultra für Poweruser aus dem Grafik- und Videodesign-Bereich und bedient heutzutage mit seinem OS X vor allen Dingen ein eher hochpreisiges Segment. Das kostenlose Open Source-Betriebssystem Linux bleibt nach wie vor ein Nischenprodukt. Das beweisen auch die nackten Zahlen. Im September 2018 war auf mehr als 80% aller Rechner weltweit Microsofts Windows installiert. Apple kam mit seinem OS X immerhin auf knapp 14%. Linux hingegen war weltweit auf weniger als 2% aller Rechner zu finden.

Bei Open Source auf der Betriebssystem-Ebene bleiben die Anwender also skeptisch. Vielleicht nicht ganz zu Unrecht. Schließlich bildet das Betriebssystem die Infrastruktur für alle anderen Anwendungen auf dem Computer. Einen Drucker installieren, ein Video per Netflix streamen, die Urlaubsfotos anschauen und bearbeiten, im Netz surfen und vielleicht etwas Musik von der externen Festplatte abspielen. Dafür benötigt der Rechner jede Menge Hintergrundprogramme, Treiber und Anwendungen. Bei Windows und OS X: kein Problem. Ab Werk ist bereits alles dabei, alles aufeinander abgestimmt und der Anwender muss sich in der Regel um nichts mehr kümmern. Zusätzliche Software, beispielsweise Games, Profi-Software wie Adobes Creative Suite oder leistungsstarke Mediacenter sind stets als kompatible Version für beide Systeme verfügbar.

Für Gamer nur bedingt geeignet

Bei den unzähligen Linux-Varianten wie Ubuntu, Debian, Mint oder openSUSE sieht es nicht immer so nutzerfreundlich aus. Klar, aktuelle Versionen, die sich an Umsteiger wenden und auch optisch den Platzhirschen stark ähneln, bringen bereits bei Erstinstallation ein Software-Paket mit, das die wichtigsten Anwendungsgebiete abdeckt. Bei Games sieht es jedoch weniger gut aus. Nur etwa jeder vierte Top-Titel schafft es in die Linux-Welt. Und dann auch nur mit Verzögerung. Photoshop läuft ebenfalls nur mit einem Trick auf Open-Source-Systemen. Dazu muss die zusätzliche Laufzeitumgebung Wine installiert werden, ein Programm, dass anderer Software vorgaukelt, sie würde auf einem Windows-Rechner arbeiten. Das funktioniert in den meisten Fällen, allerdings vielfach auf Kosten der Leistungsfähigkeit und des Funktionsumfangs.

Individualität ist Trumpf

Dafür punkten Linux-Distributionen mit einer großen Gestaltungsvielfalt. Alles ist anpassbar, alles ist veränderbar. Die Community ist weltweit vernetzt und in unzähligen Foren finden sich Experten, die Ein- bzw. Umsteigern Hilfe geben. Mit Linux kann sich der Anwender ein Betriebssystem zusammenstellen, das optimal auf seine Bedürfnisse ausgerichtet ist. Besonders sicher, besonders stabil, besonders anonym – alles ist möglich. Dazu muss der Nutzer aber ein wenig in diese Welt eintauchen. Und ein wenig Geduld mitbringen: Fast jedes Problem lässt sich lösen – nur eben nicht immer sofort.

Distributionen

Passend zu dieser Ausrichtung auf die Bedürfnisse des Nutzers gibt es folgerichtig nicht das eine Linux-System. Stattdessen gibt es eine Vielzahl an Varianten – Distributionen genannt – die zwar alle auf der gleichen Plattform aufgebaut sind, sich aber extrem in Optik, Funktion und Auslegung unterscheiden. Vom Windows-Klon über Server-Systeme bis hin zu supersicheren, anonymen Linux-Varianten reicht das Angebot. Gut, dass es die aktive Linux-Community gibt, die den Nutzer bei der Wahl der richtigen Distribution unterstützt.

David gegen Goliath

Nicht zuletzt punktet das freie Betriebssystem auch unter gesellschaftlichen Aspekten. Der Kerngedanke, dass Software frei veränderbar, kostenlos erhältlich und damit für jeden zugänglich sein sollte, passt hervorragend in die seit Jahren wachsende Sharing-Kultur. Linux ist Software von Menschen für Menschen. Ohne Gewinnerzielungsabsichten stellen Experten ihr Know-how der Gemeinschaft zur Verfügung und setzen ein deutliches Zeichen gegen die Abschottung von Wissen und die Geheimhaltung von Codes. Das ist unterstützenswert.

Sicheres Testen

Nicht jeder Anwender wird mit einer Linux-Distribution so effizient arbeiten können, wie mit den Betriebssystemen von Microsoft und Apple. Insbesondere bei der Unterstützung von Profi-Programmen wie Photoshop oder InDesign schwächelt die freie Software. Für den alltäglichen Büro- und Freizeiteinsatz ist Linux aber eine leistungsstarke Alternative zu den Produkten der beiden Platzhirsche. Verschiedene Distributionen wie Ubuntu und Mint lassen sich zudem auf Windows-Rechnern testen, ohne dass das vorhandene Betriebssystem gelöscht werden muss. Probiere es doch einfach mal aus. Eine Chance hat Linux allemal verdient.