Am Strand sitzen und per Skype ein Meeting bei einem Mittelständler in Osnabrück leiten. Oder von der Terrasse einer andalusischen Finca aus, die Webseite eines Chemnitzer Energielieferanten relaunchen. So sieht das Leben der sogenannten „Digitalen Nomaden“ aus. Menschen – Freiberufler und Selbstständige meist – die mit Laptop und Smartphone bewaffnet, ortsunabhängig arbeiten und sich Arbeitszeit und -ort ebenso selbst bestimmen, wie die Projekte, an denen sie arbeiten. Doch man muss nicht im Ausland arbeiten, um als Digitaler Nomade durchzugehen. Auch wer den Großteil seiner Arbeitszeit in den Coworking Spaces und Cafés von Essen-Rüttenscheid verbringt, ist ein Digitaler Nomade.

 

Digitale Nomaden sind Kopfarbeiter

Nicht jedes Berufsbild eignet sich zur ortsunabhängigen Arbeit. Wer handwerklich tätig ist, greifbare Produkte erstellt oder eine Werkstatt für sein Business benötigt, wird kaum die Möglichkeit haben, sich als Digitaler Nomade durch die weite Welt zu bewegen. Wirklich ortsunabhängig arbeiten können in erster Linie jene Menschen, die kreative und/oder digitale Leistungen erbringen. Also Autoren, Programmierer, Fotografen oder Anbieter von Serviceleistungen rund ums Internet. Sie brauchen nicht mehr als ihren Kopf voller Ideen, einen Laptop, ein Smartphone und natürlich – eine gute WLAN-Verbindung.

„Ein gutes WLAN zu finden ist eine der größten Herausforderungen, zumindest in Deutschland“, weiß auch Denise Nelle. Gemeinsam mit Frank Heim hat sie vor einigen Jahren die Essener Digitalagentur punktbar gegründet und kann auf viele Erfahrungen als digitale Nomadin zurückblicken. „Man kann sich hier einfach nicht so gut in ein Café setzen, um zu arbeiten.“ Von der Netzabdeckung in Asien ist sie hingegen begeistert: „Das beste Internet hatten wir tatsächlich mal auf einer kleinen vietnamesischen Insel vor Kambodscha. Da war weit und breit nichts und wir saßen am Strand in einer Hütte und konnten perfekt arbeiten.“ Von einem solchen mobilen Internet können deutsche Nutzer oft nur träumen…

 

Warum überhaupt ortsunabhängig arbeiten?

Die Vorteile liegen auf der Hand. Digitale Nomaden leben die größtmögliche Flexibilität und Freiheit. Sie können dort arbeiten, wo andere Menschen Urlaub machen – und vielfach sind das eben Länder, in denen die Lebenshaltungskosten deutlich günstiger sind als in Deutschland. Ein selbstständiger Grafikdesigner kann beispielsweise in Thailand weniger Stunden in der Woche arbeiten und hat immer noch ein ausreichend großes Einkommen, um komfortabel durch den Alltag zu kommen. Gleichzeitig führt es dazu, dass man weniger Aufträge annehmen muss und stattdessen hauptsächlich die Projekte verwirklicht, auf die man Bock hat. Und diese Zufriedenheit ist mit Geld kaum aufzuwiegen. Denise von der punktbar kennt noch weitere Vorteile: „Man plant selbst seine Tage, ist sein eigener Chef und kommt gleichzeitig mit vielen anderen Digitalen Nomaden in Kontakt. Man kann sich austauschen. Dadurch entstehen Netzwerke und Kooperationen.“

 

Das gilt es für Digitale Nomade zu bedenken

Doch egal, ob du dich durch die Cafés in Essen-Rüttenscheid arbeitest oder durch die Fischerdörfer der Algarve: Ohne Disziplin funktioniert das Nomadenleben nicht, denn da ist kein Chef, der dir ordentlich Druck macht, auch keine Stechuhr, die deine Bürozeiten minutengenau festhält. Jeden Tritt in den Allerwertesten, den du vielleicht zur Motivation benötigst, musst du dir selbst geben. Das kann auf Dauer anstrengend sein. Und die Versuchung ist groß, an irgendeinem asiatischen Traumstrand das notwendige Arbeiten aufzuschieben oder gar zu vergessen und sich ganz dem Urlaubsgefühl zu überlassen. Wer so frei und selbstbestimmt arbeiten möchte, braucht eine gehörige Portion Selbstdisziplin. Ansonsten scheitert man. Schnell!

 

Steuern, Visum, Krankenkasse

Insbesondere, wenn du dich für das ortsunabhängige Arbeiten im Ausland interessierst, warten einige Hürden auf dich. Was die Arbeitserlaubnis angeht, befindest du dich als Digitaler Nomade in vielen Ländern in einer Grauzone. Innerhalb der EU ist eine solche Tätigkeit kein Problem, aber wenn du in Vietnam, Südafrika oder Brasilien mit einem Touristenvisum unterwegs bist, sieht die Sache schon etwas anders aus. Darüber hinaus gilt es steuerliche Sachen zu klären – die davon abhängen, wo du deinen Wohnsitz angemeldet hast –, Auslandskrankenversicherungen abzuschließen und nach lokalen SIM-Karten-Anbietern zu recherchieren. Deine Post aus Deutschland kannst du dir beispielsweise mit Services wie Dropscan als Scan per Mail zuschicken lassen. So bleibst du, anders als bei einem Nachsendeauftrag, flexibel in deiner Ortswahl in der Ferne und vermeidest gleichzeitig unnötig lange Zustellungen.

 

Mit anderen Digitalen Nomaden vernetzen

Falls du also mit dem Gedanken spielst, für eine Weile deine Brötchen im Ausland zu verdienen, solltest dich im Vorfeld gut vorbereiten und dich eventuell schon vor deiner Abreise mit anderen Nomaden vernetzen. Gute Anlaufstellen im Internet sind die Webseiten www.digitalenomaden.net sowie die Seite des DNX-Kongresses, zu dem sich einmal im Jahr Digitale Nomaden treffen. Dort findest du jede Menge Tipps und Tricks und Antworten zu den wichtigsten Fragen. Und natürlich findest du auch bei Facebook gleich mehrere Gruppen, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Aber egal ob du mit Laptop und Smartphone durch Bangkok oder Brandenburg reist, Denise hat noch einen ultimativen Tipp parat: Lass dir Zeit! „Man sollte nicht zu schnell reisen. Das will man sehr gerne, weil man viel sehen will, aber es ist ein Zeiträuber. Bis man sich wieder so eingefunden hat, dass man gut arbeiten kann, dauert es oft 1-2 Tage. Und die hat man dann durch das Reisen verloren. Also lieber einige Wochen an einem Ort bleiben.“

Lebst du vielleicht sogar schon on the road und arbeitest ortsunabhängig? Dann melde dich doch mal bei uns und zeige uns dein „Büro“ oder berichte von Deinen Erfahrungen „on the road“. Wir freuen uns auf schöne Bilder.