Bei virtueller Realität denken viele Menschen an Star Trek und das berühmte Holodeck, auf dem sich die Mannschaftsmitglieder in jede erdenkliche Situation begeben konnten. Ein Spaziergang durchs alte Rom, ein einsamer Strand, eine Vorlesung an einer Universität. Noch ist die Entwicklung virtueller Realitäten nicht ganz so weit, aber insbesondere im Gaming-Bereich wächst die Zahl der VR-Anwendungen rasant. Wir wollen in diesem Blogbeitrag einen Blick auf Industrie und Wirtschaft werfen und zeigen, wo VR-Anwendungen einen echten Mehrwert für Unternehmer und Kunden bieten könnten.

Der kleine Unterschied: AR und VR

Wenn es um virtuelle Realität geht, tauchen meist zwei Abkürzungen auf: AR (Augmented Reality) und VR (Virtual Reality). Mit AR wird eine „erweiterte Realität“ bezeichnet, mit VR die „virtuelle Realität“. Ein populäres Beispiel für AR ist das beliebte Spiel Pokémon Go. Auf Mobilgeräten wie Smartphones und Tablets wird eine zusätzliche Info-Ebene auf das Bild der Kamera gelegt – im Fall von Pokémon Go sind es Fantasiewesen, die beim Blick auf das Kamerabild an Bushaltestellen, Ampeln und Hauseingängen zu finden sind. Die virtuelle Ebene legt sich über die Realität und bildet mit ihr eine Einheit.

Bei VR hingegen, wird eine komplett neue, virtuelle Umgebung generiert. In der Regel nimmt der Nutzer diese Umgebung über eine VR-Brille wahr. In Flugsimulatoren kann es jedoch auch eine Reihe von Bildschirmen sein, die das gesamte Sichtfeld des Nutzers abdecken.

In der Industrie und im Business-Bereich werden beide Anwendungen zukünftig eine große Rolle spielen.

Tourismus

Der Tourismusbereich ist wahrscheinlich nicht die erste Branche, an die man denkt, wenn es um virtuelle Realität geht, doch sie hat ein enormes Potenzial. Bereits heute gibt es Stadtführungen, die mit Apps arbeiten, welche über die Kamerafunktion den Teilnehmern zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen.

Auch für Hotels werden VR-Anwendungen zukünftig eine immer größere Rolle spielen: In der Studie „Hotel 2025“ von Oracle gaben 2/3 der Befragten an, dass virtuelle Touren durch Hotel und Umgebung die Entscheidungsfindung für oder gegen ein Hotel beeinflussen würden. Der virtuelle Gang durch ein Hotel vermittelt einfach einen umfassenderen Eindruck als Fotos oder Videos. In der nahen Zukunft werden Hotels, die diesen Service anbieten, einen deutlichen Wettbewerbsvorteil haben.

Immobilien- und Baubranche

Die 3-D-Küchenplanung im örtlichen Möbelhaus ist nur der Anfang, wenn es um Virtual Reality in der Bau- und Immobilienbrache geht. Selbst am heimischen PC kannst du dir seit Jahren 3-D-Modelle deiner eigenen Wohnung nachbauen und so unterschiedliche Raumkonzepte und -möblierungen durchspielen. Doch die Bedienung der Programme, mit denen Architekten seit Jahren arbeiten, ist für Laien kompliziert und alles andere als intuitiv. In Zukunft könnten Apps aus einfachen Bildern oder Videos eines Raumes, ein exaktes virtuelles Modell nachbauen. Ohne, dass der Anwender viel mehr als ein paar Maße eingeben muss.

Architekten und Makler sind zwei Anwendergruppen, die in Zukunft verstärkt mit VR-Programmen arbeiten werden. Bereits in der Planungsphase werden Bauherren beispielsweise mit einer VR-Brille durch ihr Haus gehen können, noch bevor der erste Stein gemauert worden ist. So lassen sich räumliche Eindrücke in einer Qualität vermitteln, die herkömmliche Planungsprogramme, Grundrisse und Modelle nicht leisten können. Der zukünftige Raum wird erfahrbar. Für Makler und Interessenten wird die virtuelle Realität in Zukunft viele Wege einsparen. Wenn angebotene Immobilien als VR-Modell vorliegen, können Interessenten zeit- und ortsunabhängig Besichtigungen vornehmen, ohne die eigenen vier Wände verlassen zu müssen.

Onlinehandel

Ein weiteres, riesiges Feld an VR-Möglichkeiten wird im Onlinehandel liegen. Schwachpunkte beim Einkauf via Amazon und Co sind ja nach wie vor die fehlende Dreidimensionalität und die mangelhafte Vermittlung von Produkteigenschaften. Kleidung kann nicht anprobiert, die Bedienung technischer Geräte nicht ausprobiert werden. Und ob einem das schöne Brillengestell wirklich steht, weiß man erst, wenn man diese Brille trägt. VR-Anwendungen können hier ein völlig neues Shoppingerlebnis vermitteln. Wie so etwas aussehen könnte, hat das Outdoor-Modelabel Timberland schon einmal in einer Shoppingmall getestet.

Medizinbereich

Die letzte Branche, die wir dir heute vorstellen – und in einem der nächsten Blogbeiträge noch einmal ausführlich betrachten werden – ist der medizinische Bereich. Das Krankenhaus der Zukunft wird smart, vernetzt und digital: Blutwerte, die in Echtzeit in die digitale Krankenakte übertragen werden, hinterlegte Infos zu Unverträglichkeiten und Allergien, die sofort eine Warnung abgeben, sollte ein falsches Medikament verschrieben werden und Online-Sprechstunden für wenig mobile Patienten, werden schon bald zum Alltag gehören.

VR erweitert die Möglichkeiten zusätzlich –in der Ausbildung von Ärzten, in der Forschung und in der Therapie. Komplizierte Operationen lassen sich schon jetzt in der virtuellen Realität trainieren. Und jenseits des OPs, beispielsweise in der Psychotherapie, werden Angstpatienten gefahrlos und in einem geschützten Raum, konfrontativ an ihren Angstauslösern arbeiten können.

Dies waren nur einige ausgesuchte Beispiele für die Anwendung von AR und VR in Industrie und Wirtschaft. Natürlich wird sich die Technologie mittelfristig in allen Branchen durchsetzen. Bei einigen, wie etwa dem Maschinen- und Fahrzeugbau, liegt das auf der Hand. Doch auch Branchen wie die Kreativwirtschaft, werden ihre Anwendungen finden um VR effizient und gewinnbringend einzusetzen.