Im dritten und letzten Teil unserer kleinen Open-Source-Reihe wollen wir dir heute zwei kostenlose Alternativen zu Photoshop und InDesign vorstellen. Die beiden Programme des Herstellers Adobe sind die unangefochtenen Platzhirsche, wenn es um Bildbearbeitung und Layout geht. Hochkomplex, mächtig und umfangreich – aber eben auch entsprechend teuer. Mit Gimp und Scribus gibt es freie Programme, mit denen sich gut arbeiten lässt und die für viele Anwender vollkommen ausreichend sind.

Bildbearbeitung für Profis

Software zur Bildbearbeitung gibt es wie Sand am Meer. Rote Augen korrigieren, die Gesichtszüge ein wenig weichzeichnen, Hundeohren und Schweinchennase einfügen – auf jedem Smartphone findet sich inzwischen solcherlei Software. Wenn es jedoch um Profi-Bearbeitung geht – um Pfade, Ebenen, Lasso-Werkzeug und Tonwert-Korrektur – dann gibt es eigentlich nur Photoshop. Eigentlich! Denn das Open-Source-Programm Gimp kommt dem Platzhirschen schon ziemlich nah.

Ähnlich wie Photoshop ist auch Gimp ein umfangreiches und hochkomplexes Programm, in das du dich ein wenig einarbeiten solltest, um alle Funktionen kennenzulernen. Ein paar harte Fakten für Profis: Gimp unterstützt 32-Bit-Farbtiefe, arbeitet mit allen gängigen Formaten wie PNG, TIFF, JPG und speichert auch kompatible PSD-Dateien. Das Programm läuft auf Windows-, macOS- und Linux-Systemen und kann sogar von einem USB-Stick aus gestartet werden. Hardware wie Zeichen-Pads und Tablets wird ebenfalls unterstützt. Wie bei allen anderen Open-Source-Programmen gibt es im Netz umfangreiche Dokumentationen, Tutorials und Foren, in denen du bei Problemen nach Lösungen suchen kannst.

Baukasten für den optimalen Einsatz

Gimp ist modular aufgebaut und kann durch zahlreiche Plugins erweitert werden. Diese ermöglichen dann beispielsweise den Import von RAW-Dateien oder eine Stapelverarbeitung. Es gibt sogar ein Theme-Pack, das die Optik von Photoshop nachahmt und dadurch insbesondere Umsteigern den Wechsel erleichtert. Durch die einzelnen Module kannst du die Software optimal an deine eigenen Bedürfnisse anpassen.

Fairerweise müssen wir allerdings sagen, dass Gimp kein vollwertiger Ersatz für den Goldstandard Photoshop ist – insbesondere beim Bearbeiten von großen Dateien und in der Fotomontage liegt das Bezahlprogramm eine Nasenlänge vorn. Dafür ist Gimp kostenlos, mit rund 90 MB erstaunlich schlank und ausreichend für die allermeisten Anwendungen. Wer also ein wenig Zeit investieren möchte, sollte das Programm auf jeden Fall einmal austesten.

Desktop Publishing bis zur Druckvorstufe

Wer häufig Broschüren, Flyer oder E-Books produziert, kommt um eine umfangreiche Desktop-Publishing-Software nicht herum. Mit solch einem Programm lassen sich Bilder, Texte und Grafiken in einzelne, frei positionierbare Rahmen anordnen, Zeilenraster und Seitenränder definieren und Hintergründe gestalten. Die fertigen Dateien können als druckoptimierte PDF/X-4 exportiert werden.

Das Standard-Programm, mit dem die Profis arbeiten, ist Adobes InDesign. Wie auch Photoshop ist es extrem umfangreich und wenn man ehrlich ist, gibt es im Layout- und Grafik-Design-Bereich keine wirkliche Konkurrenz. InDesign und Photoshop im Doppelpack, das ist einfach eine runde Sache. Auch, weil beide Programme Teil von Adobes „Creative Suite“ sind und entsprechend zuverlässig und unproblematisch miteinander arbeiten. So ist beispielsweise die Bildbearbeitung mittels Photoshop direkt aus der InDesign-Datei heraus möglich.

Kontinuierliche Verbesserung

Für viele alltägliche Arbeiten gibt es jedoch eine komfortable Open-Source-Alternative: Scribus. Das freie und quelloffene DTP-Programm hat bereits viele Jahre auf dem Buckel – im Jahr 2001 erschien die erste Programmversion. Und seitdem arbeitet die Open-Source-Gemeinde an der kontinuierlichen Verbesserung und Weiterentwicklung.

Das letzte große Versionsupdate war 2018. Es enthielt zahlreiche Bugfixes und diverse Entwicklungen, wie beispielsweise die Möglichkeit zum Import von QuarkXpress-Dateien. Die Community ist nicht ganz so aktiv wie die Gemeinschaft der Gimp-Anwender, was aber auch dem Umstand geschuldet sein könnte, dass die Zielgruppe kleiner ist. Fotos will jeder bearbeiten können – eine professionelle Layout-Anwendung ist weniger gefragt. Trotzdem finden Nutzer auch für Scribus zahlreiche Dokumentationen, Tutorials und Foren im Netz.

Auch Scribus ist ein sehr umfangreiches Programm, dass erarbeitet werden will. Wer noch nie mit einem DTP-Programm gearbeitet hat und seine Flyer bisher in Word gestaltete, wird sicherlich mehr Zeit benötigen, als InDesign-Kenner, die sich einmal in die spannende Welt von Open Source wagen wollen.

Letztendlich sind beide Open-Source-Alternativen einen Testlauf wert. Schließlich sind die Programme kostenlos und schnell installiert. Für kleine Unternehmen und Nutzer, die nur hin und wieder die Software nutzen müssen, sollte der Funktionsumfang allemal ausreichen. Falls nicht, kann man ja immer noch auf die Adobe-Produkte zurückgreifen.