Im ersten Teil unserer Mini-Serie zum Thema Open-Source-Software haben wir kurz die Eigenschaften und Besonderheiten des freien Betriebssystems Linux und dessen unzählige Varianten vorgestellt. Heute widmen wir uns zwei Open-Source-Alternativen, die für viele Anwender interessant sein könnten: das Bürosoftware-Paket LibreOffice und das Content Management System WordPress. Wie auch schon im ersten Teil soll es dabei weniger um technische Details gehen, vielmehr wollen wir dir einen groben Überblick verschaffen und dich ermuntern, das eine oder andere Programm auszuprobieren.

Tabellen, Textverarbeitung, Präsentationen

Egal, ob in der Freizeit oder im Büro: Ohne ein Programm zur Textverarbeitung kommt kaum ein Anwender über die Runden. Auf Rechnern mit Windows-Betriebssystem ist jedoch meist mindestens eine rudimentäre Word-Version installiert, die für die allernötigsten Aufgaben ausreicht. Wer hingegen auch Software zum Erstellen von Präsentationen oder für Tabellenkalkulationen benötigt, kommt um den Kauf oder das Abonnement der Office-Vollversion nicht herum.

Zwei der gängigsten Open-Source-Alternativen heißen OpenOffice und LibreOffice. Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Programme nur marginal. Das verwundert nicht, basieren sie doch beide auf dem gleichen Quellcode. Das LibreOffice-Projekt spaltete sich im Jahr 2010 von OpenOffice ab und wird seitdem parallel weiterentwickelt. OpenOffice und LibreOffice sind jeweils als Software-Bundle erhältlich und beinhalten die gleichen Programme: Writer, als Word-Alternative; Calc als Tabellenkalkulation; Impress als Open-Source-Variante von PowerPoint; das Zeichenprogramm Draw; die Datenbankverwaltung Base sowie einen Formeleditor namens Math. So ausgestattet lassen sich auch umfangreichere und aufwendigere Büroarbeiten komfortabel erledigen. Und das komplett kostenlos.

Optisch und in ihrer Bedienung ähneln beide Programme Microsofts Office-Paket. Libre kommt sogar mit der noch relativ jungen Ribbon-Bedienoberfläche daher, während OpenOffice inzwischen etwas klassisch, bzw. veraltet anmutet. Langjährige Microsoft-Nutzer finden sich allerdings bei beiden Programmen sehr schnell zurecht. Bei Fragen zu speziellen Lösungen hilft eine große Community im Netz.

Kompatibel zu Microsoft

Ein Problem, das zahlreiche Anwender in der Vergangenheit von Open-Source-Programmen abhielt, war die mangelnde Kompatibilität mit Microsoft-Produkten. Dokumente ließen sich nicht öffnen, Formatierungen waren zerschossen, Formeln funktionierten nicht. Seit einigen Jahren haben die Entwickler diese Problematik in den Griff bekommen. Nutzer der freien Software können seitdem unter anderem Microsofts .doc-, .docx-, .ppt-, .ppsx- oder .xls-Dateien öffnen, bearbeiten und auch mit diesen Endungen wieder abspeichern. Ein wichtiger Schritt, der die Akzeptanz und Verbreitung von Open- und LibreOffice deutlich gefördert hat.

Kalender nicht integriert

In einem Punkt müssen Nutzer der kostenlosen Programme Abstriche machen: Eine Mail-, Kalender- und Aufgabenverwaltung ist – anders als bei Microsofts Office – nicht automatisch integriert. Zwar sind mit Mozillas Thunderbird und der Erweiterung Lightning absolut gleichwertige Open-Source-Alternativen am Markt, sie sind aber nicht so gut miteinander verzahnt.

Wer eine neue Bürosoftware benötigt, aber nicht zwingend Geld dafür ausgeben möchte, kann die beiden Programme problemlos installieren und ausprobieren. Fairerweise muss man darauf hinweisen, dass es insbesondere bei aufwendig formatierten Dateien gelegentlich zu Fehlern kommen kann, wenn sie zwischen Microsofts Office und den freien Programmen hin und her wandern und bearbeitet werden. Doch die Open-Source-Gemeinschaft arbeitet laufend an Verbesserungen und liefert – insbesondere bei LibreOffice – häufige Updates, die die Performance verbessern.

Kostenlos, beliebt und Marktführer: WordPress

Wenn es um Content Management Systeme zur Verwaltung von Homepages und Blogs geht, ist Open Source absoluter Standard. Mit WordPress, Joomla und Drupal belegen gleich drei freie Software-Lösungen die ersten Plätze im Ranking der weltweit meistgenutzten CMS. Mit knapp 60% Marktanteil ist WordPress die unangefochtene Nummer 1.

Die Bedienung des Programms ist übersichtlich, intuitiv und auch für Menschen ohne Programmierkenntnisse kein Hexenwerk. Über das Dashboard, der Zentrale von WordPress, gelangst du zu allen Untermenüs und kannst dort neue Seiten oder Artikel anlegen, das Design anpassen und Widgets oder andere nützliche Elemente in die Homepage einbauen. Die Auswahl an unterschiedlichen Themes und Designs ist riesig. Die Zeiten, in denen kostenlose Homepages aus dem Baukasten alle gleich aussahen, sind Gott sei Dank lange vorbei.

Themes und Plugins

Das Ausprobieren und Testen von unterschiedlichen Layouts und Designs ist bei WordPress übrigens völlig unproblematisch und mit wenigen Klicks erledigt. Die Inhalte deiner Webseite sind dabei nicht gefährdet, sie werden einfach durch das System ins neue Layout übertragen. Die verschiedenen Layouts kannst du dir über das Dashboard anschauen, bevor du sie installierst. Es gibt unzählige Themes, kostenlose ebenso, wie hoch individualisierte Layouts, die du dir speziell für deine Seite entwerfen lassen kannst. Dieser Service ist dann natürlich nicht mehr kostenlos. Eine ähnliche Vielfalt herrscht bei Plugins, also kleine Service-Programme, die dir die Arbeit mit deiner Webseite erleichtern. Das kann eine Bildbearbeitung sein, nützliche Features zum Auffinden fehlerhafter Links oder ein Spamfilter, der dich vor Werbekommentaren schützt. Open Source macht es möglich, dass die Gemeinschaft ständig Innovationen hervorbringt.

Generell lebt WordPress von seiner sehr aktiven Community. Allein das älteste deutsche Forum WPDE.org hat knapp 100.000 Mitglieder, die dir bei Problemen helfen können. Dazu kommen zahlreiche englischsprachige Foren und eine umfangreiche Dokumentation.

Beim Thema CMS gibt es keinen echten Wettbewerb zwischen freier und geschützter Software. Der Vollständigkeit halber wollen wir aber auf Adobes Dreamweaver hinweisen. Dieses CMS ist – ebenso wie Photoshop oder InDesign – Teil der Creative Cloud, einem Software-Paket, das als Abo genutzt werden kann. Wer sowieso mit der Creative Cloud arbeitet, kann natürlich auf Dreamweaver zurückgreifen. Die Verzahnung der einzelnen Programme kann die Arbeit an der Webseite – etwa bei der Bildbearbeitung mit Photoshop – vereinfachen. Wer bisher jedoch kein Adobe-Kunde ist und ein leistungsfähiges, übersichtliches und einfaches CMS sucht, muss nicht zum kostenpflichtigen Dreamweaver greifen. Mit der Open-Source-Alternative WordPress lässt sich effizient arbeiten.