„Generation Y“, „Generation Greta“ und Digital Natives – die Unternehmenswelt wandelt sich zunehmend. Einerseits durch technische Fortschritte und andererseits durch sich verändernde Lebensumstände und Werte der Mitarbeiter. Die Anforderungen des Marktes, die Anforderungen der Mitarbeiter und nicht zuletzt die eigene Unternehmerpersönlichkeit umgrenzen ein Spannungsfeld, in dem sich das eigene Unternehmen einfinden muss, um langfristig erfolgreich bestehen zu können.

Triste Büroräume, Nine-to-five-Jobs, lange, undurchsichtige Entscheidungsprozesse und Formfleischschnitzel mit Fertigsoße in der Kantine: So sieht der Arbeitsalltag in vielen großen Unternehmen und kommunalen Verwaltungen aus. Noch immer.

Start-ups wollen sich nicht selten genau von diesem „old fashioned“-Konzept der Arbeit abgrenzen und setzen auf flexible Arbeitszeiten, Wohlfühlatmosphäre im Büro und jede Menge Incentives für die Mitarbeiter: gesunde und kostenlose Mahlzeiten, Gutscheine für Fitnessstudios oder eine unternehmensinterne Kinderbetreuung. Im Kampf um begehrte Fachkräfte sicherlich ein gutes Mittel, um die Angestellten bei Laune zu halten. Doch der Preis für diese Feelgood-Atmosphäre hat sich inzwischen auch bei den Arbeitnehmern rumgesprochen: das Gefühl ständig erreichbar sein zu müssen, ein hoher Arbeitsdruck und das zunehmende Verschwimmen von Arbeits- und Freizeit. Abends oder am Wochenende noch schnell eine Mail beantworten, ein kurzes Telefonat aus dem Urlaub, all das gehört – scheinbar – auch zur schönen neuen Arbeitswelt.

Um dein Unternehmen wirklich am digitalen Wandel und dem daraus resultierenden Wertewandel teilhaben zu lassen, gehört mehr dazu, als ein Kicker im Büro und kostenloses Obst. Werte müssen (vor-)gelebt werden. Und zwar top down.

 

Leitbild entwickeln

Insbesondere als Gründer eines Start-ups kannst du von Beginn an der Frage nachgehen, wie du eigentlich arbeiten möchtest. Was ist deine Vision? Wie soll das tägliche Miteinander von Angestellten ablaufen? Wie wichtig sind dir als Unternehmer Diversität, Offenheit, Work-Life-Balance oder transparente Entscheidungsfindungen. Dieses Entwickeln von Unternehmenswerten ist ein laufender Prozess, keine einmalige Sache, schließlich ändern sich ja auch gesellschaftliche Standpunkte, Märkte und nicht zuletzt: du selbst. Entwickle also deine Unternehmenswerte, überprüfe sie regelmäßig und – das ist das Allerwichtigste – lebe diese Werte in deinem Arbeitsalltag. Nichts ist langweiliger als die wohlformulierten, seitenlangen Ausführungen auf den Internetseiten großer Unternehmen unter dem Punkt „Unsere Werte“. Wer seine Unternehmenswerte ausführlich an die Öffentlichkeit kommunizieren muss, lebt sie offensichtlich nicht klar genug.

 

Erfolg im Team

Die Zeiten der alles allein entscheidenden Masterminds sind längst vorbei. Selbst Ausnahmeunternehmer wie Jeff Bezos, Bill Gates oder Mark Zuckerberg arbeiten mit einem riesigen Team von klugen Köpfen zusammen. Und eben weil sie dies tun, sind sie so erfolgreich. Entwicklung, Produktion und Vertrieb sind in der digitalen Welt komplexer als je zuvor. Umso wichtiger ist es, sich mit fähigen Experten zu umgeben. Fachkräfte, die teamfähig sind, die interdisziplinär arbeiten können und die Bock darauf haben, gemeinsam Erfolge zu erzielen. Diesen Gemeinschaftsgeist musst du auch selbst in dir tragen, um wirklich Großes zu erschaffen. Und er führt direkt zum nächsten wichtigen Aspekt, denn als Unternehmer musst du lernen, Verantwortung abzugeben.

 

Abgeben können

Als kleiner Einzelunternehmer, geht es nicht anders. Und auch mit wenigen Angestellten mag es noch charmant sein, wenn du als Gründer bei jeder kleinen Entscheidung deine Finger im Spiel hast. Wenn du aber spürbar expandierst, wird früher oder später der Zeitpunkt kommen, an dem du Verantwortung und Entscheidungen abgeben musst. Und zwar nicht nur auf dem Papier. Dein Kopf muss freier werden, damit da wieder Platz ist für innovative Ideen, neue Produkte oder Dienstleistungen. Überlasse das Alltagsgeschäft Mitarbeitern, denen du zu 100% vertraust. Lasse los und gib deinen Mitarbeitern die Freiheit, Entscheidungen allein zu treffen. Das entlastet dich ungemein und wertschätzt gleichzeitig die Arbeit deines Teams. Die motiviertesten Mitarbeiter sind in der Regel diejenigen, die in großem Maße eigenverantwortlich handeln und entscheiden dürfen.

 

Fehlerkultur

Natürlich führt dieses Abgeben von Aufgaben und Verantwortlichkeiten dazu, dass Fehler passieren. Denn Fehler passieren immer – auch dir – und leider kosten sie meist Geld. Aber das Geld ist gut investiert: Nur so kannst du lernen und dich weiter entwickeln. Ist also ein Kind mal wieder in den Brunnen gefallen, heißt es für dich: Ran an die Analyse! Was ist falsch gelaufen? Wieso ist es falsch gelaufen? Und wie können Prozesse gestaltet werden, dass diese Fehler in Zukunft nicht mehr auftreten? Mitarbeiter anzuschreien, ihnen mit Abmahnung oder Kündigung zu drohen, mag vielleicht im Eifer des Gefechts, als schnellste und einfachste Lösung erscheinen, aber letztendlich schadest du dir damit nur selbst, bzw. deinem Unternehmen. Denn damit erzeugst du Druck. Und aus Druck resultiert Angst. Und Mitarbeiter, die Angst haben Fehler zu machen, sind nicht produktiv.

Ein guter Anlass, um von den Fehlern anderer zu lernen, sind übrigens die Fuckup Nights: Veranstaltungen, bei denen Unternehmer vor einem interessierten Publikum über ihre größten Misserfolge berichten. Das ist nicht nur lehrreich. Es ist auch ungemein unterhaltsam.

Wie du siehst, geht es in der schönen, neuen Arbeitswelt um viel mehr, als um den berühmten Kicker im Büro. Es geht um ein gutes, vertrauensvolles Miteinander. Um Respekt, Wertschätzung und Freiheit. Das sind Werte, die in der Arbeitswelt immer wichtiger werden und die gelebt werden wollen. Jeden Tag aufs Neue. Wenn diese Werte stimmen, dann ist der Kicker vielleicht sogar ein logisches Resultat. Ein Kicker allein schafft aber noch kein gutes Arbeitsklima.